Prosa
"Bilderbuech"
Letscht Summer ha’ni ä Troum gha. Än Ängel heig sech zu mir a Bettrand gstellt. Strahlend schön u mit dreine Wünsch uf ämene goldige Täller.
Nume, was hätti mir da sölle wünsche? Dass i no einisch ds churze Glück vor Jugend darf erläbe? Dass mys Schätzeli u Vögeli syni herte Wort zrüggnimmt u by mer blybt, Tag u Nacht, Syte a Syte? Dass mir’s guet zäme wärde ha, o we’s hert uf hert sött gah?
Wo’s mer da so zinnerscht inne i mer hin u här het gwärweiset, ha’ni plötzlech gmerkt, dass mit’em Morge der Herbscht i sym müede, matte Näbelchleid a d’Türe chlopfet. Schnäll ha’ni mir gwünscht, dass dä Troum länger mah duure als d’Liebi!
Jung bi’ni zwar nümm worde u mys Vögeli isch ändgültig uf u dervo. Doch ha’ni äs Stück Himel uf d’Ärde zrüggübercho, wüll mir my Ängel Nacht für Nacht Bilder us’em Buech vo myne Erinnerige i Troum ströijt.
"Sternenkuh"
Es war einmal eine Kuh, die stand derart im Klee, dass sie einen ganzen Kühlschrank Tag für Tag unter Milch hätte setzen können, was sie natürlich nie gemacht hätte aus lauter Rücksicht auf ihre Kinder: Jogi Joghurt, Kurt Käse und Bärni Butter.
Als nun Weihnachten ins Land zog und überall in den Stuben Weihnachtsbäume und feine Butterkekse auf Tellern um die Wette dufteten, durchströmte die Kuh ein Gefühl wie Feuer und Eis in allzu kleinen Tangohufen. Unruhig tänzelte sie hin und her.
"Wieso muss ich eigentlich auf diesem Stroh öden Holzboden im Stall parkettieren?! Hab’ ich nicht ’was Besseres verdient?!"
Mutig trug die Kuh Zweifel und Anliegen vor den Bauern. Vergeblich. Dieser zeigte kein Verständnis. Doch die Kuh gab nicht auf. Nacht für Nacht schlich sie sich nach draussen und bat die Sterne um Hilfe, und - voilà?! Am siebten Tag erwachte sie in einem strahlenden Sternenfell.
Als dies der Bauer sah, legte er ihr einen Strick um den Hals, führte sie stolz in sein Haus und setzte sie auf ihren kuhgerechten Thron.
Falls Sie einmal bei einem Bauern zum Kaffee eingeladen werden sollten, dann erstaunen Sie nicht, wenn Ihnen vom obersten Regal des Kühlschranks eine empörte Sternenkuh entgegenmilcht.

